Kiel Zulieferungen GmbH / Karnstedt Holding GmbH, Landsberg


Nachfolge sichern

Es ist ein Lebenswerk, auf das Hans-Jürgen Kiel stolz sein kann: Der Schlossermeister hatte 1990 in einem Hinterhof in Halle mit seiner kleinen Firma begonnen und die Kiel Zulieferungen GmbH entgegen manchem Skeptiker zu einem erfolgreichen Unternehmen für CNC-Blechbearbeitung und Oberflächentechnik entwickelt.
Als mehr Platz benötigt wurde, zog er 1995 ins Industriegebiet Landsberg um. Er fertigt keine großen Serien, sondern kleine Losgrößen oder Einzelstücke vom kleinen Messgerätgehäuse bis hin zur zwölf Meter langen Stahlkonstruktion. Solch ein Unternehmen, dessen Kunden einem auf die Schulter klopfen, lässt man nicht leichten Herzens los. Aber mit 63 Jahren will Kiel seinen Erfolg verdientermaßen genießen. Genau wie er sollte auch seine Firma in Top-Zustand sein, wenn er sie weitergibt. An einen Nachfolger, mit dem das Unternehmensschiff weiterhin oben schwimmen kann.
Dieser Nachfolger ist Steven Karnstedt, ebenfalls Hallenser, Wirtschaftsingenieur, 38 Jahre jung – und Kiels Schwiegersohn. “Freilich war ich der potentielle Kandidat für die Übernahme.“ Doch beide fanden es erst einmal besser, dass der Junge zuvor „in die weite Welt zieht“, wie Kiel sagt. In der „Konzernwelt“, in zwei namhaften globalen Unternehmen, arbeitete Steven Karnstedt einige Jahre. Und kam gern zurück, reicher an Erfahrungen.
Drei Jahre lang hat er sich tief und gründlich in das Unternehmen eingearbeitet, bevor er zum 1. Januar 2013 Alleingesellschafter und Geschäftsführer geworden ist. Der Verkauf musste auch rechtlich und finanziell geregelt werden. Dem jungen Existenzgründer fehlte das finanzielle Hinterland. Obwohl eine Bank bereit war, mit Unterstützung von KfW-Mitteln den Kauf zu kreditieren, blieb eine finanzielle Lücke. Hier sprang die MBG ein. Über ihre stille Beteiligung am Unternehmen wurde der restliche Kaufpreis bezahlt. „Die MBG hat uns da sehr geholfen“, bestätigt Kiel. „Ohne sie hätte das nicht geklappt.“
Was macht der „Neue“ anders? Am Kern der Firma werde nichts geändert, betont Karnstedt. Das zu hören, sei für die Mitarbeiter ganz wichtig gewesen.
Unternehmensphilosophie bleibt: „Wir sind die schnellsten, und wir können durch die Flexibilität unserer Prozesse und unserer Mitarbeiter auch kurzfristige Aufträge übernehmen.“ Natürlich wird der neue Chef mit der Zeit gehen und auch Veränderungen gestalten müssen, um erfolgreich zu bleiben. „Wir wollen unabhängiger vom Lohnleistungsmarkt werden.“ Deshalb will Karnstedt eine Plattform für internationalen Servicebedarf ausbauen, wofür er sein Netzwerk aus den früheren Konzernzeiten nutzt. In Zusammenarbeit mit den Hochschulen der Region hat er das Tochterunternehmen Designerstahl gegründet.
„Ich bewundere, wie er das richtig gut macht“, sagt Schwiegervater Kiel und gesteht ein, „dass ich mich manchmal schon zwingen muss, mich rauszuhalten.“ Als Berater steht er der Firma jedoch noch bis Ende 2014 zur Verfügung.
Etwa 2.700 Unternehmen in Sachsen-Anhalt suchen bis 2018 einen Nachfolger. Kiel: „Wir raten dringend jedem, sich unbedingt gut sachkundig zu machen, wie es geht.“