FestungMark Betriebsgesellschaft mbH, Magdeburg


Festung erobern

Als Christian Szibor im Winter 2001 auf abgesperrtem Gelände durch einen offenen Durchgang in die Ruine der ausgedienten Festung Mark einsteigt, tritt er in einen Haufen Schutt. Mit der Taschenlampe leuchtet er durch herabgestürzte Holzdecken in das dunkle Gewölbe hinauf, im Gebälk klappern lose Fenster. „Gerade als ich dachte, ich haue jetzt lieber ab, öffnete sich plötzlich eine Tür über der Wendeltreppe und die Sonne schien herein. Das war wie eine Eingebung.“
Wenige Jahre nach diesem denkwürdigen Einstieg ist der junge Betriebswirt Geschäftsführer der KulturFestung Mark und diese eine „angesagte“ Adresse in der Magdeburger Innenstadt. Statt schnarchender Soldaten, wie einst in den Kasematten, hört man heute Musik und Party: Das Veranstaltungsprogramm aus Konzerten, Theater, Lesungen, Märkten wird ergänzt durch private und Firmenfeiern. Keine Jahreszeit und kaum ein Tag, an dem hier nichts los ist.
An Stelle der früheren Schlafräume befinden sich auf zwei Etagen die Veranstaltungssäle. Im unteren, dem Hohen Gewölbe, steigen die unverputzten roten Mauern elf Meter auf, unterbrochen von den Zwischenbögen der einstigen Geschosse. Bis zu 800 Leute können hier Konzerten lauschen. Trotz des alten Gemäuers müssen Gäste keine Kompromisse eingehen, versichert Szibor: „Wir haben eine moderne Lüftungsanlage, Fußbodenheizung, Fluchtwege – und gleich den Zugang in den Festungshof.“  Dort ziehen Veranstaltungen wie das Mittelalterspektakel oder der Advent in den Gewölben längst auch ein Publikum jenseits des Studentenalters an.
Als die Preußen-Festung 1919 als Kaserne endgültig aufgegeben wurde, zogen verschiedene Nutzer ein, zuletzt verwahrloste sie. In seiner Diplomarbeit entwarf BWL-Student Szibor im Jahr 2003 auf 160 Seiten ein Nutzungskonzept. Es wurde zur Grundlage für die Entwicklung zum heutigen Kultur- und Gastronomiebetrieb. Träger sind der Verein KulturSzeneMagdeburg e. V. und die KulturStiftung FestungMark, die Ende 2006 eine gemeinsame Betriebsgesellschaft gründeten. Der Stadtrat stellte 2,1 Millionen Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost für die Umbauarbeiten zur Verfügung.
Mit ihrem breiten Kulturangebot kann die KulturFestung Mark zunehmend betriebswirtschaftlich erfolgreich arbeiten. „Wir müssen mit unserem Veranstaltungsprogramm die Balance zwischen kulturell sinnvoll und wirtschaftlich notwendig halten“, erklärt Szibor. Trotz 150.000 Besuchern im Jahr und namhafter Stifter sei es schwierig, die Banken zu überzeugen. „Deshalb war es für unsere Pläne ganz wichtig, die Bürgschaftsbank zu gewinnen. Mit der Verbürgung weiterer Betriebsmittel konnten wir unsere Liquidität stabilisieren, was gerade auch für die Vorfinanzierung größerer Events unentbehrlich ist“, sagt der Betriebswirt. „Die Zusammenarbeit mit der BB war top.“