TGA Energietechnik Wittenberg GmbH, Wittenberg

Energie hat sie, so überlegten auch die Altgesellschafter Gerhard Däumichen und Heinz Trabitz, als sie vor fünf Jahren über die Unternehmensnachfolge nachdachten. Die zwei Geschäftsführer der TGA Energietechnik Wittenberg GmbH steuerten damals beide auf den 62. Geburtstag zu, Trabitz wollte sich allmählich zur Ruhe setzen. „Wir wollten auf keinen Fall jemanden von draußen“, erinnert sich Däumichen, der Diplomingenieur arbeitet seit 43 Jahren im Unternehmen. „Frau Fleischmann war sowohl von der Qualität ihrer Arbeit als auch von der Einstellung bestens geeignet.“
Als die Entscheidung 2011 fiel, war die Wittenbergerin 37 Jahre jung. „Ich hatte hier im Betrieb 1990 nach der Schule mit der Ausbildung angefangen, ganz klassisch Bürokauffrau“, erzählt sie. Danach arbeitete sie im Einkauf und studierte zugleich in „Fernteilzeit“ Wirtschaftsingenieurwesen in Berlin. Geeigneter geht nicht. „Sie hat trotzdem nicht gleich Ja gesagt“, lächelt Däumichen.
Damit für die junge Mutter der Einstieg als Gesellschafterin auch finanziell möglich wurde, besicherte die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt den Bankkredit für die Anteilsübernahme. Diese erfolgte durch Gründung der TGA Vermögensverwaltung Wittenberg GmbH. „Ich war ganz froh, dass ich die Berater der BB hatte“, blickt Diana Fleischmann zurück: „Denn man denkt nicht selbst an alles, und da ist es gut, wenn jemand über den Businessplan schaut, der Ahnung hat.“
Inzwischen sitzen Fleischmann und Däumichen Büro an Büro. In der Werkhalle baut man Wärmeaustauscher ein, langjährige Erfahrung und frische Ideen tauschen die Geschäftsführer aus. Die Junge kümmert sich als kaufmännische Geschäftsführerin um die Zahlen und vertritt das Unternehmen zunehmend in der Öffentlichkeit. Nebenan bei Gerhard Däumichen, der die Aufträge kalkuliert, spuckt das Fax Anfragen von Kunden und Aufforderungen zur Angebotsabgabe aus. „Wir leben gut von Mund-zu-Mund-Propaganda“, bestätigt er. TGA könne auch mal einen Auftrag ablehnen, wenn er auf Dumpingpreise oder reine Lohnfertigung zielt. „Wir bieten die komplette Leistung – vom Materialkauf bis zur fachgerechten Installation und Inbetriebnahme vor Ort sowie einen 24-Stunden-Anlagenservice.“
Dahinter stecken mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung. TGA, das Kürzel bedeutet Technische Gebäudeausrüstung, baute schon in den 1970er Jahren Wärmeübertragungsstationen. 1990 wurde das Unternehmen von Führungskräften privatisiert. Der Name blieb (Däumichen: „Vorn das VEB weg, hinten das GmbH ran“), neue Geschäftsfelder kamen hinzu. Zwölf Jahre später musste Insolvenz angemeldet werden, nachdem die Firma auf erheblichen Rechnungen sitzen geblieben war. Doch Däumichen und Trabitz blieben in der Lutherstadt, wagten den Neustart mit fünf Mitarbeitern – heute sind es 69 – und konzentrierten sich fortan wieder auf ihr ureigenes Geschäftsfeld – Kompaktstationen.
Die BB half 2002 erstmals mit einer Kreditausfallbürgschaft. Im selben Jahr beendete Diana Fleischmann ihre Diplomarbeit. Sie blieb bei TGA und wurde sofort Leiterin für den Einkauf.  
Der Energiemarkt wächst, die Versorger sowie Industriebetriebe und Hausbesitzer investieren in energiesparende Lösungen. In der Kette vom Kraftwerk bis zum Verbraucher verbinden die Kompaktstationen von TGA die Fernwärmeleitung mit der Haus- oder Gebäudeversorgung, die für Heizung, Prozesswärme, Dampf oder Warmwasser sorgt. Die Wittenberger arbeiten für Fernwärmeversorger wie auch für Industrieanlagenbauer und Heizungsbauer. Zu den Kunden gehören außerdem Großhändler, und so findet man die TGA-Anlagen inzwischen weltweit. „Wir haben alles im Portfolio, was es im Bereich Fernwärme an technologischen Möglichkeiten gibt“, sagt Diana Fleischmann. „Und wir bauen nicht von der Stange, salopp gesagt. Unsere Techniker fahren auf die Baustelle und schauen, wie man technisch umsetzen kann, was der Kunde haben möchte.“ 
Ein Blick in die Werkhalle zeigt Kompaktstationen unterschiedlicher Ausstattung und Größe, bis neun Meter lang und drei Meter hoch. Ins Auge fallen zuerst die gewundenen Rohre, die zuvor zugeschnitten und verschweißt werden. Sie verbinden den Wärmeübertrager – das Herzstück der Anlage – mit Ventilen, Pumpen, Schmutzfänger, Mess- und Regeltechnik. Die Anlage wird in möglichst großen vormontierten Teilstücken zur Baustelle transportiert. Das sei oft kostengünstiger und gehe auch schneller als die Vor-Ort-Montage, versichert Däumichen.
Die kleinsten Stationen wiederum passen in einen „Koffer“. In Einfamilienhäusern und Wohnungen können sie ihren Platz sogar in einer Flurnische finden. Die Produktionserweiterung für Edelstahlanlagen konnte aus Eigenmitteln finanziert werden, weil eine weitere Bürgschaft die Betriebsmittelvorfinanzierung absicherte.
„Die Betriebsmittel liegen bei TGA vor allem im Lager“, zeigt Diana Fleischmann auf eine Vielzahl unterschiedlichster Bauteile. Bei entsprechendem Auftragsumfang muss sich die Firma mit ausreichend Material eindecken. 
Mit viel Energie will die geschäftsführende Gesellschafterin in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass es weiterhin so gut läuft bei der TGA. Im Blick hat sie auch die rechtzeitige Nachwuchsgewinnung. Sechs Azubis lernen zurzeit an der Seite älterer Kollegen, von denen manche seit Jahrzehnten dabei sind. „Die Jungen laufen schneller, die Alten kennen eine Abkürzung“, sagt die junge Chefin. Das bringt einen „Energieaustausch“  mit hohem Wirkungsgrad, so wie ihn das Gesellschafterduo vorlebt.