Klotz Metallbau GmbH, Merseburg


Jede Baustelle ein Unikat

Ein Schloss haben sie zuvor noch nie gebaut. Aber ansonsten waren die Fassadenspezialisten von Klotz Metallbau schon an den verschiedensten Bauwerken beteiligt: Hochschulen, Hotels, Krankenhäuser, eine Kunsthalle und ein Eis- und Schwimmstadion zum Beispiel. Jetzt also die Referenz schlechthin: das Berliner Stadtschloss – Humboldtforum.

So etwas hätte sich der Merseburger Thomas Klotz nicht vorstellen können, als er sich im Jahr 1984 mit einem Fachbetrieb für Holzschutz und Sanierung selbstständig machte. Ein klassischer Ein-Mann-Betrieb. Nach der Wende stieg auch seine Frau Marianne in die Firma ein, und die beiden diplomierten Ingenieure richteten das Unternehmen auf die neuen Möglichkeiten des Marktes aus. Das Privatkundengeschäft „rund ums Haus“ gibt es nach wie vor, das Aushängeschild des Handwerksbetriebs sind jetzt jedoch Aluminium-Stahl-Glasfassaden für hochwertige Architektur. Sohn Matthias hatte nach einem Wirtschaftsingenieurstudium zunächst gemeinsam mit seinem Schulfreund Jan Huschka eine Im- und Export-Firma gegründet. Doch dann erkrankte der Vater und wollte sicher gehen, dass der Betrieb weiterläuft. „Das sah ich als eine Verpflichtung gegenüber meinen Eltern, und es war auch eine neue Herausforderung“, erklärt Matthias Klotz. Er trat 2001 die Nachfolge an. Jan Huschka, den Diplom-Kaufmann, holte er als Prokuristen hinzu. Dieser fühlt sich dem Unternehmen schon aus Jugendzeiten sehr verbunden: „Matthias und ich haben damals als Schüler seinem Vater geholfen, den Betrieb in einer ehemaligen Gaststätte im Ort aufzubauen. Wir haben entrümpelt und den Putz abgehackt“, erzählt Huschka.

Als Matthias Klotz den Betrieb der Eltern übernahm, gab es 30 Mitarbeiter. Heute sind es rund 100. Bevor der neue Firmenchef das Unternehmen ausbaute, wurde der gesamte Fertigungsablauf auf den Prüfstand gestellt, Ressourcen offengelegt, an der Effektivität gearbeitet. Nach umfangreichen Investitionen ist Klotz Metallbau heute technisch und logistisch so aufgestellt, dass die Merseburger überall in Deutschland Bauaufträge stemmen können. 

Marianne Klotz, die noch bis 2012 mit die Geschäfte führte, erzählt: „Mein Sohn musste sich auf eine ganz andere Größenordnung von Bauvorhaben festlegen, um zu überleben und um dem Markt gerecht zu werden. Objekte wie das Stadtschloss Berlin hätten wir früher mit den vorhandenen Kapazitäten gar nicht machen können.“
Die Aufträge werden über öffentliche Ausschreibungen hereingeholt, den Zuschlag bekommt der preisgünstigste Bieter. „Der Konkurrenzdruck ist groß, da muss man hart an der Kante kalkulieren“, bestätigt Prokurist Huschka. Bisher größter Einzelauftrag war das Paulinum der Universität Leipzig mit Aula und Universitätskirche. Aus Merseburger kommt die komplette Außenfassade inklusive Natursteinfassade.

Firmenchef Matthias Klotz ist an zwei Tagen jeder Woche auf den Baustellen unterwegs. „Jede Universität, jedes Krankenhaus, alles was wir bauen, sind Unikate“, unterstreicht er, „und jedes Mal ist das Team neu, der Architekt neu, der Bauherr neu. Es gibt immer wieder Anforderungen, die so noch nie dagewesen sind. Das heißt, man überlegt erst einmal: Wie kann ich das konstruieren, erreiche ich damit die Eigenschaften und Funktionen, die gefordert sind? Es ist immer eine Herausforderung, ein Projekt anzufangen, zu begleiten – aber auch, es zu Ende zu bringen.“

Wegen der Einzigartigkeit jedes Auftrags werden die Fassadenteile nicht industriell am Band gefertigt, sondern in Handarbeit. Jedes einzelne Fenster besteht aus rund 100 Teilen. Verglast werden sie möglichst erst auf der Baustelle, nur wenn das dort der technologische Ablauf nicht zulässt, schon im Betrieb. So wie beim Berliner Stadtschoss. Jedes der 1.200 Schlossfenster ist bis zu vier Meter hoch und bringt 500 Kilogramm auf die Waage.

Nur einige spezielle Leistungen hat Klotz Metallbau an Subunternehmen vergeben. „Wir wollen die Leistung so tief wie möglich im Haus und mit eigenen Kräften realisieren“, sagt Huschka. Das Unternehmen arbeitet an vier bis fünf Aufträgen gleichzeitig, ein Vorhaben dauert von der Planung bis Montage im Durchschnitt ein bis drei Jahre. Beim Berliner Stadtschloss kam der Zuschlag Ende 2014, bis Mitte 2017 muss das letzte Fenster eingebaut sein. „Wir gehen bei jedem Auftrag in Vorleistung, von der Projektentwicklung über den Materialkauf bis zur Montage. Erst dann können wir die Rechnung stellen. Das sind große Zeitspannen für ein mittelständisches Unternehmen“, erläutert der Prokurist. Den notwendigen Finanzierungsrahmen hat die BB in den Jahren 2006 und 2011 für die Hausbank verbürgt. „An dieser Stelle ein Dankeschön für die gute Zusammenarbeit.“

2014 wurde noch einmal eine Million Euro zur Ertüchtigung der Betriebsstätte in die Hand genommen und dabei auch für gute Arbeitsbedingungen gesorgt. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt bei Mitte 40, zurzeit werden sechs Azubis ausgebildet. Nachwuchs findet das Unternehmen trotz eigener Bemühungen immer schwieriger, vor allem im Montagebereich ist es eng. Deshalb haben sich Klotz und Huschka schon vor drei Jahren auf dem europäischen Arbeitsmarkt umgesehen. Inzwischen stammt fast jeder vierte Mitarbeiter aus Rumänien. „Dabei sind wir den Weg gegangen, auch ihre Familien schnell herzuholen. Wir haben uns zum Beispiel um Wohnungen, Deutschkurse, Kita-Plätze gekümmert. Mittlerweile sind die rumänischen Mitarbeiter fest integriert.“ Das Unternehmen würde jetzt gern auch Asylanten einstellen, bisher ist das noch nicht gelungen.

2015 hat Klotz Metallbau das 30-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Gründer Thomas Klotz äußerte sich voller „Stolz, dass auch die nächste Generation, mein Sohn, so fleißig weiterarbeitet und investiert. Nur so kann man zu den Erfolgen kommen.“