Elbbrauerei Frohse, Schönebeck

Geschmackvoll rein


Das Elbehochwasser 2013 stand Pate für den Namen des ersten Biers, das Stefan Henning braute: „Die Elbe schwappte bei uns in Frohse praktisch vor die Haustür. Wir schauten auf das Wasser, sahen Treibgut und nochmals Treibgut, und da fand ein Freund, das sei doch ein guter Name für ein Bier von hier.“
 
Wenn in der Elbbrauerei Frohse ein- bis zweimal in der Woche ein Sud gekocht wird, duftet es wie in einer Backstube. Dann erschnuppert man den Betrieb in der schmalen Straße im Schönebecker Ortsteil schon, bevor man ihn sieht. Das vormals verfallene Wohngebäude hat Henning bis hinunter zum Kellergewölbe abgerissen, entkernt und umgebaut. Im teilverglasten Anbau befindet sich jetzt das Sudhaus mit der Kesselanlage, die Henning selbst konstruiert hat und von einem Ingenieur vor Ort bauen ließ. Im angrenzenden Altbau steht die Abfüllanlage, dahinter blubbert einer der drei Gärbottiche. Im Sommer 2018 hat Stefan Henning den ersten Sud ansetzen können.

Sein Maschinenbaustudium hatte er unzufrieden abgebrochen und war mit einer Lehre zum Brauer und Mälzer beruflich noch einmal neu gestartet. Einen anschließenden internationalen Studiengang schloss er als Diplom-Braumeister ab. „Ein eigenes Ding“ zu machen, das stand für ihn schnell fest. „Wichtig ist für mich das Handwerk. Handwerkliche Fertigung spiegelt sich im Geschmack wider“. Stefan Henning verzichtet anders als bei der industriellen Bierherstellung aufs Pasteurisieren und Filtrieren. Sein naturtrübes Bier ist nach vier bis fünf Wochen trinkfertig, nach der Abfüllung bleibt es acht Wochen haltbar, erzählt er: „Wer dann die letzte Flasche im Kasten aufmacht, schmeckt auch, wie sich das Bier im Vergleich zur ersten Flasche in dieser Zeit noch entwickelt hat. Bitterstoffe bauen sich ab, das Süße kommt nochmal hoch.“

Im Bierland Deutschland, wo Großbrauereien seit Jahren über sinkende Umsätze klagen, wächst allmählich wieder der Geschmack auf Edelgebräu. Craft Beer, also handwerklich gefertigte Spezialbiere erobern den Markt und sprechen auch neue Konsumentengruppen an. Die kleine Elbbrauerei Frohse kommt also zum richtigen Zeitpunkt.  

Bevor er sich selbstständig machte, hatte Henning zunächst als angestellter Brauer und Mälzer gearbeitet und in den Betrieben praktische Erfahrungen über die gesamte Produktionskette hinweg gesammelt. Zusätzlich bildete er sich in der Brauereitechnik weiter. Dann begann er, bei befreundeten Kleinbrauern in anderen Bundesländern sein erstes eigenes Bier zu brauen. Damit konnte er sich bereits einen ersten Kundenstamm unter Magdeburger und Schönebecker Gastronomen aufbauen. Seine umfassende Berufserfahrung überzeugte die heimische Sparkasse, als es um die Finanzierung der Brauereigründung ging. Die Hausbank nahm die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt mit ins Boot, die nach einem Gespräch mit dem Existenzgründer dessen Vorhaben ebenfalls als wirtschaftlich aussichtsreich bewertete. Die BB besichert zwei Darlehen für die Baukosten sowie für die Brauereiausstattung.

Die Kapazität der Manufaktur liegt bei zwei- bis viertausend Litern Bier pro Woche. „Es soll klein bleiben“, betont der Jungunternehmer. Neben der Belieferung von Gastronomie und Getränkehandel läuft auch der Hofverkauf an private Kunden gut. Die Namen der Biersorten haben immer einen Bezug zu dem Ort, an dem sie gebraut werden: Das Bockbier „Frohser Emil“ zum Beispiel erinnert an den längst verblichenen gleichnamigen Ziegenbock der früheren Kneipe „Tante Linda“.

Ganz „sein Ding“ macht Stefan Henning auch beim Experimentieren mit geschmacklich verschiedenen Aromahopfen. Wer darin eine Missachtung des Reinheitsgebots aus dem Jahr 1516 sieht, den verweist der Braumeister auf die zeitgemäße Weiterentwicklung dieses  500 Jahre alten Qualitätsversprechens. Ansonsten kommt auch bei ihm nur Wasser, Malz und Hopfen in den Sud. Die Zahl 1516 steht auf dem Nummernschild von Stefan Hennings Auto.

 



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