Poly-Chem GmbH, Bitterfeld-Wolfen


Mit langfristiger Haftung

Am Nachmittag des 4. Augusts 2015 kam es zu einem Großbrand im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. Die Werksfeuerwehr und drei Ortsfeuerwehren kämpften bis in die Nacht gegen das Feuer im Unternehmen Poly-Chem. Dennoch: „Nach zwei Stunden war die Produktion zu hundert Prozent abgebrannt“, erinnert sich Geschäftsführer Dr. Jörg Dietrich: „Wir waren praktisch ein Produktionsbetrieb ohne angeschlossene Produktion.“

Es war der wohl schwärzeste Tag für das mittelständische Unternehmen, das zu den größten deutschen Herstellern von Spezialklebstoffen gehört. Nur ein Jahr zuvor war eine neue Produktionsanlage in Betrieb gegangen, deren Finanzierung auch mit einer MBG-Beteiligung unterstützt wurde. Der Lagerbestand reichte gerade für einen Monat aus, um die Kunden zu bedienen, erzählt Dietrich: „Innerhalb die-ser wenigen Wochen mussten wir Lohnfertiger für die Zeit finden, bis eine neue Anlage stand. Das war nicht einfach, denn sie mussten freie Kapazitäten haben, durften keine Wettbewerber sein, weil wir ihnen unser wichtigstes Know-how – die Rezepturen – geben mussten, und sie mussten die erforderlichen Genehmigungen haben.“

Das Schwierige gelang. Dass kein einziger Kunde absprang, schreibt Dietrich, Geschäftsführer seit 2011, den gemein-samen Anstrengungen von Management und Mitarbeitern zu: „In einer solchen Situation zeigt sich, was es heißt, ein Team zu sein.“ Hilfe kam auch vom Chemiepark, von Stadtverwaltung und Behörden. Zehn Monate nach dem Brand lag die Baugenehmigung vor, Ende Oktober 2017 konnte die Probeproduktion in der neuen Anlage starten, für die das Unternehmen zuvor auch eine Neugenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) benötigte.

Heute ist die Poly-Chem GmbH der modernste Betrieb im Chemiepark Bitterfeld, „ein Vorzeigeobjekt“, sagt Betriebsleiterin Heike Troitzsch, die hier seit der Gründung des Unternehmens arbeitet. Das gilt für Technologie und An-lagensicherheit ebenso wie beim Umweltschutz. Das Unternehmen ist Mitglied der Umweltallianz Sachsen-Anhalt.

Poly-Chem beliefert Kunden europaweit mit Haftklebstoffen, vor allem für die Etiketten- und Klebebandindustrie, auch für Schutzfolien von Mobiltelefonen, Möbeln und diversen Anwendungen im Automobil. Im hochmodern ausgestatteten Labor entwickeln und testen die Chemiker Rezepturen für immer speziellere Anwendungen: „Als mittelständisches Unternehmen können wir schnell auf gezielte Kundenwünsche reagieren und auch kleinere Produktchargen herstellen“, erklärt die Betriebsleiterin. Ein unscheinbares Etikett muss vielen Anforderungen genügen: Als Aufkleber auf dem unverpackten Apfel braucht es eine lebensmittelrechtliche Unbedenklichkeitserklärung für den Klebstoff, und das Preisetikett auf der Tiefkühlwarenfolie muss auch noch bei minus 20 Grad fest haften. Außerdem sollen die Klebstoffe umweltfreundlich recycelbar sein.

Seit dem Neustart nach dem vernichtenden Brand hat Poly-Chem jedes Jahr im Umsatz um rund zehn Prozent zulegen können. Geschäftsführer Dietrich könnte sich mittelfristig sogar eine Umsatzverdopplung vorstellen: „Wir haben eine sehr gute Marktnachfrage und denken an weitere Investitionen.“ Dabei zeigt er auf eine Freifläche in der Nachbarschaft, geeignet für eine zweite Produktionsanlage. Schwieriger ist es mit der Gewinnung von Mitarbeiternachwuchs. Betriebsleiterin Troitzsch: „Es gibt ein zunehmendes Problem, sowohl Lehrlinge als auch Fachkräfte zu finden.“ So werden bei Poly-Chem auch Quereinsteiger ausgebildet.

Die Unternehmensentwicklung wird seit dem Jahr 2003 von BB und MBG begleitet. 2012 kam eine zweite stille Beteiligung hinzu. „Das Beteiligungskapital der MBG hat uns extrem geholfen, unser Eigenkapital zu stärken und damit unsere großen Investitionsvorhaben zu ermöglichen, auch die erforderlichen Kredite zu erhalten.“ Wie die Produkte von Poly-Chem zeigen auch die Förderinstrumente eine langwirkende gute Haftung.

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