Stefanie Wirtz, Bernstein-Apotheke, Friedersdorf

Mit „Lehrers Enkelin“ kommt die Apotheke ins Dorf

Für die Bewohner von Friedersdorf ist der Weg zur nächsten Apotheke kürzer geworden, seit sich Stefanie Wirtz hier niedergelassen hat. Eine Apotheke gab es in diesem 2.200-Einwohner-Dorf nahe Bitterfeld zuvor nicht. Das große Ladengeschäft direkt an der Ortsdurchfahrt ist hell und freundlich eingerichtet, mit frischen Farben an den Wänden und einer Spielecke für die Jüngsten. Am Ortsrand im Neubaugebiet wohnen viele Familien mit Kindern. Der Name Bernstein-Apotheke ist dem Bernsteinsee entlehnt, der bei Friedersdorf ans Ufer schwappt und Teil des Tagebaustausees Goitzsche ist.

Das berufliche „Freischwimmen“ war der jungen Apothekerin nicht ganz leicht gefallen. „Aber mein Mann ist Pharmazeutisch-technischer Assistent und hat mir Mut gemacht, uns gemeinsam eine berufliche Existenz zu schaffen“, sagt sie und betont, wie wichtig die Wahl des Ortes dabei für sie gewesen sei. Stefanie Wirtz ist im Nachbardorf aufgewachsen, ihre Großeltern waren in Friedersdorf Schullehrer, die Familie ist hier gut bekannt. „Das hat es einfacher gemacht, ich konnte so schneller Kontakt zu den Kunden knüpfen.“ Natürlich waren die Friedersdorfer auch neugierig auf „Lehrers Enkelin“, die den respektablen Beruf einer Apothekerin ausübt.

Nach ihrem fünfjährigen Studium an der Martin Luther Universität Halle arbeitete die heute 31-Jährige ab 2006 zunächst in einer Apotheke in Wolfen, heute Bitterfeld-Wolfen. In der „Babypause“ sagte sie dann endgültig „Ja“ zur beruflichen Selbstständigkeit. Bestärkt wurde sie auch dadurch, dass in Friedersdorf gerade eine junge Ärztin ihre Praxis eröffnet hatte, was die Aussicht auf eine langjährige Zusammenarbeit gibt.

Stefanie Wirtz mietete einen leer stehenden Laden in Friedersdorf. Er musste zunächst aufwändig umgebaut und so eingerichtet werden, dass er den strengen Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung entspricht. „Diese schreibt zum Beispiel vor, welche Art von Räumen wir haben müssen, wie groß das Labor sein soll.“ Das junge Paar erledigte den Umbau mit viel Eigenleistung. Die Apothekenausstattung wurde teilweise aus aufgegebenen anderen Apotheken günstig gekauft. Dennoch ging es bei diesen umfangreichen Investitionen nicht ohne Kredit. „Es sollte vor allem schnell gehen, wir wollten zügig anfangen.“ Mit Unterstützung der Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt erhielt sie das benötigte Bankdarlehen kurzfristig und unbürokratisch.
 
Im ersten Jahr standen Stefanie Wirtz und ihr Mann Andre Wirtz jeden Tag selbst hinter dem Apothekentresen. Inzwischen haben sie zwei Mitarbeiter eingestellt. Das sind eine Pharmazeutisch-technische Assistentin und ein Pharmazieingenieur, der in Abwesenheit der Apothekerin eigenverantwortlich arbeiten darf – auch hier gelten strenge Vorschriften.  

Die Friedersdorfer haben „ihre“ Apotheke gut angenommen, Kunden kommen auch aus den Nachbarorten. Dreimal am Tage gehen Bestellungen der verschriebenen Medikamente auf den Weg, die binnen Stunden ausgeliefert werden. Im Labor der Apotheke werden individuelle Salben und Cremes gerührt sowie Pulver-Kapseln abgefüllt.

Stefanie Wirtz liebt ihre Arbeit – und ihre Selbstständigkeit. Sie habe dabei aber auch die Erfahrung gemacht, dass das Studium zwar sehr viel Wissen vermittelt, die Kunden jedoch meist völlig andere Fragen zu ihren Medikamenten haben. „Vom ersten Tag in der Apotheke an lernt man den Beruf theoretisch neu.“ Die Kunden danken es mit Vertrauen.