Infobrief Aktuell

Dienstag, 22 Januar 2019

Infobrief 1/2019

Geschäftsjahr 2018: Starkes Beteiligungsgeschäft

Jahreswechsel
© fotogestoeber / Fotolia.com



























Mit 27 begleiteten Firmenübernahmen im Jahr 2018 blieb die Unternehmensnachfolge erneut ein Kerngeschäft von BB und MBG. Bei der traditionellen gemeinsamen Weihnachtssitzung der Gremienvertreter am 12. Dezember zog die Geschäftsführung eine erste Bilanz und gab einen Ausblick auf die Herausforderungen des neuen Jahres.

Bei der MBG steht Ende 2018 ein dickes Plus vor dem genehmigten Beteiligungsvolumen: mit rd. 8,4 Mio. Euro (2017: 4,4 Mio.) hat es sich trotz geringerer Anzahl neuer Beteiligungen fast verdoppelt, womit das angepeilte Jahresziel sogar überschritten wurde. „Die Vorteile von Beteiligungskapital als alternative Finanzierungsform werden von vielen Unternehmen auch in einer Niedrigzinsphase geschätzt“, sagte Geschäftsführer Wolf-Dieter Schwab. Die Industrie hält 50 Prozent des Bestandes und brachte 35 Prozent des Neugenehmigungsvolumens.

Das Neugeschäft der BB lag mit rund 45 Mio. Euro verbürgtem Kredit- bzw. garantiertem Beteiligungsbetrag knapp unter Vorjahresniveau. Größtes Kundensegment blieb auch unter den sehr guten Konjunkturbedingungen das Handwerk, sagte Geschäftsführer Heiko Paelecke. Mehr als jede fünfte Bürgschaftszusage entfiel auf Handwerksbetriebe. Der Dienstleistungssektor folgt mit fast der gleichen Zahl unterstützter Unternehmen. Im Volumen betrug der Anteil des Dienstleistungssektors am Neugeschäft ebenso fast 20 Prozent.
Insgesamt ging die Nachfrage, bezogen auf die Stückzahl, aufgrund der Niedrigstzinsen und der gelockerten Kreditvergabepraxis zurück.

BB und MBG werden in 2019 ihre verstärkten Akquisitionsbemühungen bei den Finanzierungspartnern, Unternehmern und Netzwerkpartnern fortsetzen. Plattformen wie das Investforum, MBG-Stammtische, Bankenfrühstücke, Kammer-Veranstaltungen, Gründerbarcamps, die Sartup Safari in Halle sowie Erfahrungsaustausche mit Agrarfinanzberatern werden für den Ausbau der Kontakte genutzt. 


Digital vorankommen

BB und MBG wollen die Bearbeitungsprozesse im Haus und in der Zusammenarbeit mit den Finanzierungspartnern vereinfachen, weiter straffen und damit auch Finanzierungskosten senken. Dazu werden immer intensiver die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation genutzt. Mittlerweile kommen 70 Prozent aller Anträge der Partnerbanken auf elektronischem Weg. Das ist ein Spitzenwert unter allen Bürgschaftsbanken im VDB. Sollten Sie unseren elektronischen Antragsweg, E-Antrag, noch nicht genutzt haben, probieren Sie es aus!

Commerzbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen verfügen zudem bereits über die Möglichkeit der elektronischen Antragstellung aus ihrem bankeigenen System heraus. Sollten Sie hierzu weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich gern an Herrn Goldschmidt unter Tel. 0391/73752-20. 



 "Ich glaube an den Ort Kino"


Puschkino
v. l. n. r. Firmenkundenbetreuer Dennis Rauhut,
Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt;
Kreditberaterin Annico Krause, Volksbank Halle (Saale);
Kinobetreiber Torsten Raab und
Bereichsleiter Firmenkunden Torsten Häßler,
Volksbank Halle (Saale)

© Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt

Seit der Einführung der Express-Bürgschaft „BB EXPRESS“ Anfang 2015 hat die BB mehr als 100 Unternehmen mit diesem Programm zu Sicherheiten verholfen und damit ein Kreditvolumen von fast 13 Mio. Euro auf den Weg gebracht. Mit dem einhundertsten BB EXPRESS erhielt im November ein Kinobetreiber „grünes Licht“ für seine Ausbaupläne.

Das Wort „Kinosterben“ macht immer wieder die Runde. Die Zahl der deutschen Kinos hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Doch Torsten Raab, Inhaber und Betreiber des „Puschkino“ in Halle, ist gerade auf der Gegenspur unterwegs: Er will sein Filmtheater um einen zweiten Kinosaal erweitern. „Es gibt ein so großes Filmangebot, dass viel Sehenswertes aus dem Programm rausfallen muss“, begründet Raab die Erweiterungspläne. Er möchte zum Beispiel mehr Dokumentarfilme zeigen, auch mehr Originaltonfilme. Jedes Genre habe sein Publikum, und dem möchte er gern eine Leinwand bieten.

Der zweite Kinoraum soll 60 Plätze haben, doppelt so viele sind es im bisher einzigen Saal des „Puschkino“. Dieses hat sein Domizil im „Puschkinhaus“, das Torsten Raab, Jahrgang 1967, noch als „Haus der DSF“ (Deutsch-Sowjetischen Freundschaft) kennenlernte. Errichtet wurde das Gebäude schon 1887 für eine Freimaurerloge. Die bröckelnde Fassade zeigt Sanierungsbedarf, aber gleich hinter der Eingangstür erahnt man noch den früheren repräsentativen Charakter des Gebäudes. In Hochparterre rechts hat sich vor 14 Jahren das „Puschkino“ eingemietet. Der Raum auf der linken Seite, der künftige zweite Kinosaal, stand über Jahrzehnte leer und muss komplett um- und ausgebaut werden. Diese Investition hätte Raab aus eigenen betrieblichen Mitteln nur längerfristig finanzierbaren können. Um das Vorhaben zu beschleunigen, entschied er sich für einen Kredit. 

Für einige Banken sei ein Kinobetrieb zu „exotisch“, erzählt Raab lächelnd. Die Volksbank Halle (Saale) konnte er jedoch von seinem Vorhaben schnell überzeugen. Sie hat den Kredit über die BB Sachsen-Anhalt verbürgen lassen. Die Bürgschaftsbank trägt 70 Prozent des Kreditausfallrisikos – und dank der gewählten Express-Bürgschaft lag die Zusage innerhalb weniger Tage vor. Möglich ist das aufgrund des schlanken elektronischen Antragsverfahrens des BB EXPRESS. „Mir war daran gelegen, dass es so schnell wie möglich geht“, sagt Torsten Raab: „Und ich freue mich, wie es gelaufen ist.“

Der gelernte Fahrzeugschlosser hatte nach einigen Jahren auf dem Führerstand einer Lok neue berufliche Gleise befahren wollen. Aufs Kino sei er nach 1990 eher zufällig gekommen, nachdem ein Freund eine ausgediente Landfilm-Anlage angeschleppt hatte. Die erwachte Begeisterung mündete zunächst in einem nicht kommerziellen Clubkino, später arbeitete Raab als Filmvorführer. Im Jahr 2000 ist er dann „richtig in das Gewerbe eingestiegen.“ Nach einem Existenzgründerlehrgang eröffnete er mit einem Geschäftspartner das Lux-Kino am Zoo Halle. Das bekam später einen zweiten Saal im Puschkinhaus. Seit fünf Jahren betreibt Raab das „Puschkino“ als selbständiges Kino in eigener Regie.

In Halle gibt es drei Programmkinos wie das „Puschkino“. Ihren besonderen Charakter beschreibt Raab so: „Nur ein Saal, solide Anmutung, gelassene Atmosphäre und eher unkommerziell“. Deutschlandweit gibt es rund 300 solche unabhängigen, ambitionierten Filmkunsttheater. In ihnen laufen künstlerisch gute,  selten gezeigte und eben keine Großkinos füllenden Blockbuster. Anfänglich habe er mit einem „ganz jungen studentischen Publikum“ gerechnet, sagt Raab. Doch es kommen viel mehr Leute „ab 40 Jahren“, welche den kleinen Kinosaal ohne Popcornmaschine bevorzugen. Immer montags läuft ein Film in Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Mittwochs kommen vor allem junge Eltern ins „KinderwagenKino“, die mit ihrem Nachwuchs entspannt einen aktuellen Film sehen wollen, ohne dass sich jemand am Babygeplärr stört. Ganz besonders beliebt sind die Kinoabende mit einem Gesprächsgast aus der Filmzunft, auch mal mit einem Regisseur oder Hauptdarsteller.

Torsten Raab ist überzeugt, dass das Kino der Zukunft vor allem als ein Ort für Veranstaltungen und Begegnungen interessant bleiben wird, wo ein aufgeschlossenes Filmpublikum auf Gesprächsangebote trifft. „Ich glaube an den Ort Kino“, sagt er. Und diese Überzeugung hat er auch seinen Finanzierungpartnern vermitteln können. Im März 2019 soll der erste Film im neuen zweiten Kinosaal laufen.

Schlank und schnell

Aufgrund des schlanken elektronischen Bearbeitungsverfahrens ist die Kreditzusage für eine Express-Bürgschaft innerhalb von drei Bankarbeitstagen möglich. Als richtige Reaktion auf die Nachfrage nach einem erweiterten Kreditrahmen hat sich die seit 2017 von 150.000 auf 250.000 Euro heraufgesetzte Kreditobergrenze bestätigt: im vergangenen Jahr nutzten 60 % der BB EXPRESS-Antragsteller diesen höheren Spielraum. Insgesamt kam die „Express“-Nachfrage mit 44 Prozent maßgeblich aus dem Handwerk.

Die schnelle Lösung für den Kredit

Kreditberaterin Annico Krause von der Volksbank Halle (Saale) nutzt für die Finanzierung ihrer Firmenkunden gern die Express-Bürgschaft der BB. Auch dem Kinobetreiber Torsten Raab konnte sie damit schnell beim Investieren helfen.

Frau Krause, ausgerechnet ein Kino – Hat ein Kreditgeber in Zeiten von Streaming-Diensten keine Sorge vor dem Finanzierungsrisiko?

Annico Krause: Natürlich schaue ich bei der Kreditvergabe aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf das Engagement. Genauso wichtig finde ich aber auch die Persönlichkeit des Kunden. Ich habe Herrn Raab als einen sehr soliden, bodenständigen und gründlichen Unternehmer kennengelernt. Er hat mit seinen Umsätzen und Erträgen in den vergangenen Jahren, aber auch mit seiner langjährigen Erfahrung überzeugt. Als Bank müssen wir darauf sehen, wie wir unser Risiko begrenzen. Dafür ist die Bürgschaftsbank ein sehr guter Partner.

Warum haben Sie die Express-Bürgschaft BB EXPRESS für diese Finanzierung genutzt?

Krause: Weil sie wie der Name ist: Die schnelle Lösung. Unkompliziert und mit einem kurzen elektronischen Bearbeitungsvorgang. Ich kann dem Unternehmer, sofern alle Unterlagen von ihm vorliegen, innerhalb von drei Bankarbeitstagen die Zusage für die Bürgschaft geben und damit die Kreditbearbeitung im eigenen Haus beschleunigen.

Welchen Kunden empfehlen Sie generell BB EXPRESS?

Krause: Das geht querbeet, branchenübergreifend. Die Kunden sind sehr preisbewusst, aber sie müssen für eine Finanzierung auch eine gewisse Bonität, ein nachhaltiges Konzept und anteilig Sicherheiten mitbringen. Da ist die 70-prozentige Sicherheit per Express-Bürgschaft sehr charmant: Mit dieser sehr guten Risikoverteilung können wir als Bank auch alternative Projekte begleiten. 



Der Regenschirm hat nicht abgedankt

Konjunktur
© gearstd / Fotolia.com

Selbst im unendlich langen trockenen Sommer des Jahres 2018 ist niemand auf die Idee gekommen, alle Regenschirme zu entsorgen. Das sollte auch für den Risikoschutz gegen Kreditausfall gelten.

Der im Jahr 2019 erwartete Konjunkturabschwung könnte Sachsen-Anhalt besonders hart treffen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther nimmt sogar das Wort „Pleitewelle“ in den Mund. Er sieht besonders die Automobilzulieferer und den Handel als gefährdet, die unter starkem Wettbewerbsdruck stehen. Der bisherige Rückenwind durch den Niedrigzins könnte manchem Unternehmen nun bei einer Zinswende unangenehm ins Gesicht wehen.

Auch Sachsen-Anhalts Tourismuswirtschaft erwartet Probleme infolge gestiegener Kosten und des Arbeitskräftemangels. Für die Exportwirtschaft im Land wiederum drohen Einbußen auf dem zweitgrößten Auslandsmarkt Großbritannien. Ein ungeordneter Brexit würde Unternehmen und Arbeitsplätze gefährden.

Bafin-Chef Felix Hufeld hatte bereits vor dem Jahresende vor einem möglichen Konjunktureinbruch gewarnt: „Eine konjunkturelle Schönwetterperiode, wie wir sie aktuell erleben, ist nicht der Normalfall. Das sollten die Banken auch bei der Kreditvergabe berücksichtigen“, sagte er dem „Handelsblatt“. Eine „laxe Kreditvergabe“ bei teilweise gelockerten Vergabestandards, so Hufeld, könnte den Banken Probleme bereiten, wenn nach einem Abschwung Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten kommen. 

Gegen ein Krisenszenario – wie stark es auch ausfallen möge – ist eine Risikoteilung in Form von Bürgschaften die wirksamste Vorsorge. Die BB nimmt den Hausbanken bis zu 80 Prozent des Finanzierungsrisikos ab. Das gilt für neue Engagements wie auch für Unternehmen im Bestand, wenn diese weitere Finanzierungen benötigen oder betriebsgerecht umfinanzieren möchten. „Die Bürgschaftsurkunde gilt für ihre gesamte Laufzeit, in guten wie in schlechten konjunkturellen Zeiten. Sie sollte deshalb auch in scheinbar sicheren Zeiten grundsätzlich nicht vorfristig zurückgegeben werden“, sagt BB-Geschäftsführer Wolf-Dieter Schwab.


Drittgutachten: Neues Gutachten bestätigt Werthaltigkeit von Bürgschaften der BBs

Bereits in unserem letzten Infobrief (3/2018) informierten wir darüber, dass bei einem von der BB abgesicherten Unternehmenskredit Banken und Sparkassen für den staatlich rückverbürgten Bürgschaftsanteil kein Eigenkapital unterlegen müssen. Die Rechtmäßigkeit dieser Regelung der BaFin vom 15. August 2016 wurde in einem unabhängigen Drittgutachten bestätigt.

Das Gutachten der Stuttgarter Partnerschaft Ebener Stolz Mönning Bachem vom 8. Juni 2018 wurde mit Gutachten vom 13. Dezember 2018 hinsichtlich der aktuellen Rückbürgschaftserklärung 2018 angepasst und bestätigt weiterhin die grundsätzliche Anwendbarkeit der Kreditminderungstechnik für Bürgschaften der Bürgschaftsbanken und Rückbürgschaften entsprechend den Anforderungen der Kapitaladäquanzverordnung (CRR). Hinsichtlich der Risikogewichtung kommt die gutachterliche Stellungnahme auf der Seite 30 des Dokuments zu folgendem Ergebnis: 

1. Der unverbürgte Teil ist mit dem Risikogewicht des Kreditnehmers zu gewichten.
2. Der Teil, der durch Bürgschaften der Bürgschaftsbanken besichert ist, ohne rückverbürgt zu sein, wird                           gemäß Art. 121 Abs. 1 i. V. m. Art. 119 Abs. 5 CRR mit einem Risikogewicht von 20 % belegt.
3. Dem sowohl durch Bürgschaften der Bürgschaftsbanken als auch durch Rückbürgschaften der Rückbürgen besicherten Teil wird ein privilegiertes Risikogewicht von 0 % zugeordnet (vgl. Art. 114 Abs. 4 CRR).


In Ostdeutschland werden derzeit 70 Prozent des verbürgten Kreditanteils durch die staatliche Rückbürgschaften abgesichert. Für das verbleibende Eigenrisiko der BB müssen die Hausbanken 20 Prozent bzw. lediglich 6 Prozent Eigenkapital bezogen auf das Bürgschaftsvolumen ansetzen. Sie werden somit deutlich von finanziellen Forderungen entlastet. 


pdfRechtsgutachten nach Art. 194 CRR     pdfgutachterliche Stellungnahme    



Unverpackt - nicht unvorbereitet

Frau Erna
© Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt

Der erste Eindruck, wenn man durch die Ladentür von „Frau Ernas“ tritt, kommt vom Duft. Er ist würzig, anregend und besteht aus einer Komposition von Dingen, die es hier zu kaufen gibt. Die meisten unverpackt. Das Motto steht an der Tür in der Magdeburger Arndstraße: „Ich will`s lose, ich kaufe hier ein.“

Seit September 2017 ist das bei „Frau Erna“ möglich, die eigentlich Sarah Werner heißt. In Regalen stehen große Glasbehälter mit Sojabohnen, Linsen, Trockenfrüchten, Müsli, Schokolade und, und…. Daraus schaufeln die Kunden in ihre selbst mitgebrachten Behälter so viel um, wie sie gerade brauchen und mögen. Natürlich sind auch Obst und Gemüse unverpackt, die Milch gibt es in Pfandflaschen. Aus den Wasserhähnen an einer Wand lassen sich Waschmittel abfüllen, das Shampoo gibt es als Würfel statt flüssig und Zahnpasta als lose Tabletten. Vieles ist „bio“, wenn möglich kommt die Ware aus der Region, aber das ist keine Bedingung.

„Es läuft gut, wir sind total zufrieden“, bestätigt die Ladeninhaberin. Die eher vorsichtig angesetzten Umsatzzahlen wurden schon übertroffen. Zur Stammkundschaft gehören vor allem viele junge Familien, deren Kinder sich über die Schaukel mitten im Laden freuen, und Studenten. Auch eine Cafe-Ecke mit Bistro-Ecke gibt es im „losen LebensMittelpunkt“.

Sozialpädagogin Werner, die aus Dessau stammt, hatte schon während ihres Masterstudiums an der Magdeburger Uni Existenzgründerseminare besucht. Eine 40-Stunden-Bürowoche sei für sie nie eine Option gewesen. Dann lernte sie die ersten verpackungsfreien Läden in Deutschland kennen, machte sich bei einem Gründerlehrgang zusammen mit anderen Quereinsteigern mit dieser Geschäftsidee vertraut und war am Ende überzeugt: „Das ist etwas für mich.“

Sie sei „ganz naiv“ herangegangen, aber nicht unvorbereitet, habe wichtige Dinge vorab geklärt und sich bei anderen „abgeguckt“. Weil sie zur Kommunikation ihres Vorhabens neben vielen persönlichen Kontakten auch die sozialen Medien nutzte, fand sie schnell breite Unterstützung. Ihren Ladenbauer Frithjof zum Beispiel sowie kompetente Partner für den Businessplan. Über ein Crowdfunding sammelte Sarah Werner in kurzer Zeit 20.000 Euro Startgeld ein. Damit hatte sie auch schon vor der Ladeneröffnung einen Kundenstamm.

Obwohl das erfolgreiche Crowdfunding ihre Geschäftsidee bestätigte, habe sie bei der anschließenden Kreditsuche „viel Zurückhaltung“ erlebt, sagt die 31-Jährige. Erst die Deutsche Bank war von ihrer Idee überzeugt. Den Kredit sichert die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt (BB), deren Leitspruch „Eine gute Idee sollte nicht an fehlenden Kreditsicherheiten scheitern“ gerade für junge Gründer wie Sarah Werner wichtig ist, die nicht über ausreichend bankübliche Sicherheiten verfügen.

Im deutschsprachigen Raum, also auch in Österreich und der Schweiz, soll es mittlerweile etwa 80 Unverpacktläden geben. Der Trend zur Vermeidung von Plastikmüll setzt sich auch bei immer mehr Herstellern durch. So kommt das Müsli im 25-Kilo-Sack statt in 500-Gramm-Plastiktüten. „Einer unserer Großhändler stellt sein Angebot bereits auf Mehrwegbehälter um“, freut sich die Jungunternehmerin. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda ist ihr Laden schnell auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden. So konnte sie bereits ein halbes Jahr nach Eröffnung einen Mitarbeiter einstellen. Dafür verzichtet die Chefin allerdings noch auf ein „vernünftiges Gehalt“ für sich selbst.

Warum Sachsen-Anhalt an letzter Stelle bei Existenzgründern steht? „Da ist ganz viel Unsicherheit“, vermutet Sarah Werner. „Es fehlt an Mut und Risikobereitschaft und an der Einsicht, dass Scheitern auch zu diesem Prozess gehören kann.“ Sie selbst gehe „grundsätzlich erst einmal vom Positiven aus.“

Im Herbst 2018 wurde Sarah Werner mit einem Sonderpreis des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt zur „Gründerin des Jahres“ ausgezeichnet. Bleibt noch die Frage nach dem Ladennamen. Warum Frau Erna? So klingt „Frau Werner“ aus ungeübtem Kindermund.

 

 

 





BB und MBG – der Imagefilm

Die Arbeit der Bürgschaftsbank einfach erklärt